Borkenkäfer

Borkenkäfer gehören zum Ökosystem Wald wie Vögel, Wildtiere, Insekten- und Spinnentierarten. In bewirtschafteten Wäldern ist ihre ungebremste Entwicklung gefährlich. Besonders wenn Sturmwurf oder Schneebruch und trocken-warme Witterung zusammentreffen, kann es ohne Gegenmaßnahmen zu einer
massenhaften Vermehrung von Borkenkäfern kommen. Gesunde Waldbestände können in der Folge großflächig absterben. Die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes werden auf längere Zeit beeinträchtigt. Waldbesitzende sind deshalb gefordert. Es geht um Ihren Wald, um seine Vitalität und seine Leistungsfähigkeit.



Ziele des Borkenkäfermanagements

Das Ziel des Borkenkäfermanagement ist die Erhaltung der Waldbestände und ihrer Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion (Walderhalt)Sicherung der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder.

Kennzeichen eines Käferbefalls sind:

  • Braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation
  • Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, v. a. am Kronenansatz
  • Helle Flecken, sogenannte „Spiegel“ auf der Rinde durch die Tätigkeit der Spechte, wodurch größere Rindenstücke abfallen und das helle Splintholz sichtbar wird
  • Charakteristische Fraßbilder unter der Rinde
  • Rötung
  • Abfall grüner oder roter Nadeln




Regelmäßige Kontrolle

Wann und wie häufig?

  • Beginn im Frühjahr (spätestens ab Mitte April) nach dem ersten Flug bis September
  • Je nach Gefahrenlage im ein- bis zweiwöchigen Turnus in ständiger Zusammenarbeit mit engmaschingen Monitoring der FVA
  • Kontrollen aussetzen bei starkem Wind oder Regen, da Bohrmehl weggeweht bzw. abgewaschen werden kann

Wo?

  • Kontrollen gezielt im Bereich vorjähriger Befallsorte
  • Südexponierte Lagen und aufgerissene Bestandesränder
  • An Rändern von Windwurf- und Schneebruchnestern
  • Alle Fichtenbestände bei entsprechender Gefahrenlage
  • Jungwüchse bei der Gefährdung durch Kupferstecher

Wie?

  • In älteren Beständen einzeln, d.h. Baum für Baum
  • Befallene Bäume für den Einschlag auffällig markieren
  • Aufnahme per GPS und elektronische Speicherung der befallenen Bestände bzw. Bäume mittels einer mobilen App – diese Daten dienen der Dokumentation für weitere Kontrollen im Jahresverlauf und in den Folgejahren.
  • Umfangreiches Monitoring mit Hilfe einer Borkenkäfer-App


Verantwortungsbewusstes Handeln

Was wir tun:

 Intensives Monitoring, schnelles Handeln, rascher Abtransport

  • Rechtzeitiges Erkennen durch regelmäßiges Beobachten
  • Rasche Aufarbeitung und Holzabfuhr befallener Bäume
  • Entzug bruttauglichen Materials (z.B. Stamm- und Kronenreste) aus dem Wald:
    • Bruttauglich für den Buchdrucker sind Hölzer mit frischer Rinde, mit einem Durchmesser über 7cm
    • Bei akuter Gefahr durch den kleineren Kupferstecher sind auch geringere Durchmesser kritisch
  • Intensive Beobachtung und schnellst mögliche Aufarbeitung frisch beschädigter Bäume durch Sturm oder Schneebruch sowie schwach vitaler und absterbender Bäume. Sie bieten ideale Brutbedingungen und können Ausgangspunkte für Massenvermehrungen sein.

Sind die von Borkenkäfern befallenen und bruttauglichen Hölzer identifiziert, werden sie so rasch wie möglich eingeschlagen und aufgearbeitet.

 

Kann die Holzabfuhr in Sägewerke nicht rechtzeitig erfolgen, werden verschiedene Verfahren im Rahmen des Integrierten Waldschutzes angewandt.

 

Holz umlagern

  • Das befallene oder bruttaugliche Holz wird an ungefährdete Orte zum Beispiel in reine Laubwaldgebiete, an Orte außerhalb des Waldes, die mindestens 500 Meter, besser 1.000 Meter von Nadelbaumbeständen entfernt liegen, abtransportiert.

Nasslagern brauttauglichen Holzes

  • ForstBW verfügt über eine Nasslager-Konzeption, die ständig weiterentwickelt wird.
  • Entrindung der befallenen Stämme, solange die Brut ausschließlich noch als Larve oder Puppe vorliegt

Hacken der Hölzer, solange die Brut ausschließlich noch als Larve oder Puppe vorliegt und die Ausschöpfung aller alternativer Maßnahmen.

Was wir mit allen Mitteln versuchen zu vermeiden:

Ziel von ForstBW ist es, keine Pflanzenschutzmittel (PSM) einzusetzen. Nur wenn alle Alternativmaßnahmen ausgeschöpft wurden, müssen Pflanzenschutzmittel als letztes Mittel der Borkenkäferbekämpfung (ultima ratio) zum Walderhalt im Einzelfall eingesetzt werden.   


Die Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln unterliegt den strengen Regelungen des Pflanzenschutzgesetzes. Wenn alle Alternativmaßnahmen (z.B. rascher Abtransport, Entrindung, Nasslagerung) ausgeschöpft wurden, können Pflanzenschutzmittel als letztes Mittel der Borkenkäferbekämpfung eingesetzt werden. Grundlage hierfür ist im FSC-zertifizierten Staatswald eine behördliche Anordnung nach festgestellter „Gefahr im Verzug“.


Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht

Die Entscheidung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) wird nicht leichtfertig getroffen. Sie erfolgt nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung. Nach zunächst interner Risikoabschätzung folgt eine Risikoanalyse unter Einbezug externer Experten. Die wichtigsten Kriterien sind für die örtlich Zuständigen in einem verbindlich zu prüfenden undefinedEntscheidungsbaum hinterlegt.

Begründung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Extrem warme und trockene Sommer, sowie die heftigen Winterstürme 2018 und 2019 haben in den letzten Jahren eine Massenvermehrung des Buchdruckers (Ips typographus L.) zur Folge gehabt. Vor allem die Fichte ist durch ihre hohe Sturmanfälligkeit und geringe Trockenstresstoleranz auf labilen und mittlerweile auch stabilen Standorten stark gefährdet. Aber auch bei Tanne sind 2019 nennenswerte Schadholzmengen aufgetreten.

Die Prognose für 2020 hat sich aufgrund der Winter- bzw. Frühjahrsstürme deutlich verschlechtert.  Die durch die Stürme Anfang 2020 angefallenen zufälligen Nutzungen (ausschließlich Frischholz, Schneebruch- und Sturmholz) werden schnellst möglichst aufgearbeitet und in Nass- oder Trockenlager gefahren. Für die Nasslagerung verfügt ForstBW über eine Konzeption, die ständig weiterentwickelt wird. Da Schäden durch die Frühjahrsstürme landesweit aufgetreten sind und vor allem einzelne Bäume vom Sturm umgeworfen wurden, ist eine Aufarbeitung dieser Holzmengen nur unter hohem Zeitaufwand und hohen Arbeitskapazitäten zu bewältigen.

Die Hauptschadengebiete befinden sich dort, wo bereits 2019 hohe Käferholzmengen aufgetreten sind. Vor allem den Südschwarzwald trifft dies zusammen mit einer ausgesprochen schwierigen Holzabsatzsituation, einer intensiven Gemengelage mit Kleinstprivatwald, wo teilweise Waldbestände infolge der nicht aufzuhaltenden Schadentwicklung aufgegeben werden müssen, und mit erheblichen Restriktionen hinsichtlich der Einrichtung von Trockenlagern außerhalb Waldes (hier vor allem naturschutzrechtliche Restriktionen).

Nach aktueller Einschätzung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) Freiburg ist auch im Jahr 2020 mit einer hohen Populationsdichte des rindenbrütenden Borkenkäfers zu rechnen und in tieferen Lagen mit einer erneuten Ausbildung einer dritten Käfergeneration.

Um eine Massenvermehrung der Borkenkäfer abzumindern werden alle Maßnahmen des integrierten Waldschutzes (z.B. Brutraumentzug durch Hackung von bruttauglichem Kronenmaterial, Entrindung, Einlagerung in Nasslager, Trockenlagerung) voll ausgeschöpft.

Hierzu gehört auch ein umfangreiches Monitoring mithilfe einer speziellen Borkenkäfer-App zur besseren Früherkennung befallener Bäume. Diese App kann sowohl von den ForstBW-Beschäftigten genutzt werden als auch von Forstunternehmern und erlaubt damit eine unkomplizierte Kommunikation. Derzeit ist eine schnelle und vermehrte Holzabfuhr der Schadholzmengen aufgrund der aktuellen Holzabsatzlage und der Corona-Pandemie vielerorts nicht möglich.

Als utima ratio wird deswegen im Staatswald von Baden-Württemberg auch auf den PSM-Einsatz zurückgegriffen. Es werden ausschließlich Holzpolter behandelt. Das vom befallenen Stamm ausgehende Ausschwärmen des Käfers und die erneute exponentielle Vermehrung wird dadurch verhindert. Die noch intakten, umgebenden Waldbestände mit all ihren Funktionen werden dadurch vor Zerstörung geschützt.

 

Informationen zum Pflanzenschutzmitteleinsatz

Eine sachgerechte Ausbringung wird durch sachkundige Unternehmer und eigenes, sachkundiges Personal von ForstBW gewährleistet.

Für die Behandlung der Holzpolter wird ausschließlich das Pflanzenschutzmittel (PSM) Karate Forst® flüssig eingesetzt:

  • es ist nicht bienengefährlich (Kategorie B4)
  • es trocknet schnell, haftet gut, wirkt ausreichend lang und verdriftet bei korrekter Anwendung nicht durch den Wind


Die behandelten Holzpolter liegen in der Regel an Wegrändern und sind vor Ort mit einer undefinedHinweistafelgekennzeichnet. Für die Öffentlichkeit ist somit erkennbar, welche Polter mit Pflanzenschutzmittel behandelt und welche Verhaltensregeln zu beachten sind.

Wir informieren quartalsweise über die Schadholzentwicklung, über die ergriffenen Vermeidungsmaßnahmen und über die mit PSM behandelten Holzmengen