Raiffeisenstraße 56, Ludesch

Gemeindezentrum

 

Entwickelt unter enger Bürgerbeteiligung dient das Gemeindezetrum der Neudefinition eines Ortszentrums, indem es an städ­tebaulich sensibler Stelle ein ganzes Spektrum von Funktionen in­tegriert: Café, Bankschalter, Bücherei, Amtsräume, Seminar- und Veranstaltungssäle. Gleichzeitig ist es ein ökologisches Muster­projekt, das in das Programm Haus der Zukunft des Österreichi­schen Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technolo­gie (BMVIT) aufgenommen wurde. Sein Ziel ist die höchstmögliche Vermeidung von Schadstoffen durch Energieoptimierung und die Sicherstellung der ökologischen Nachhaltigkeit des Gebäudes. Die gesamte Materialwahl und -verwendung unterlag strengen, kontinuierlichen Kontrollen, nicht zuletzt auch, um echte Preisver­gleiche zu konventionellen Bauweisen zu ermöglichen.

 

Alle Wand- und Deckenelemente des zweigeschossigen Gebäu­des wurden als Hohlkastenelemente vorgefertigt. Die Außenfas­saden und die inneren Wand- und Deckenverkleidungen beste­hen aus heimischer Weißtanne, je nach Anwendung in sägerauer, gebürsteter oder gehobelter Ausführung. Für alle Dämmungen verwendete man nachwachsende Rohstoffe - man verzichtete gänzlich auf PVC, Lösungsmittel und Werkstoffe, die Formaldehy­de und Fluorkohlenwasserstoff enthalten. Zur Aussteifung wurden einige Wandpartien massiv ausgeführt und schlanke Stahlstützen dort in das Tragwerk integriert, wo sie im Innenraum und an den Fensterbrüstungen gestalterisch und räumlich Vorteile bringen.

 

Die Vorfertigung und Montage vor Ort übernahmen zwei lokale Firmen. Viel Sorgfalt legte man auf die Herstellung der Dichtheit der Konstruktion sowie auf die Vermeidung von Stoffen, die bei der Verarbeitung und in ihrer Auswirkung auf das Raumklima ge­sundheitsschädlich sein können. Es wurden keine Holzanstriche verwendet, der konstruktive Holzschutz der Außenfassaden wird durch Dachüberstände gewährleistet. Die 350 Quadratmeter gro­ße Platzüberdachung aus durchsichtigen Fotovoltaikelementen dient zudem der umweltfreundlichen Erzeugung von Strom, der in das Netz der örtlichen Kraftwerke eingespeist wird.

 

Das Gemeindezentrum entspricht optimal den gegenwärtigen Bedürfnissen, ohne künftigen Generationen eine Nachnutzung aufzuzwingen oder Entsorgungsprobleme zu hinterlassen. Die Er­fahrungen aus diesem Projekt beweisen, dass sich mit Hilfe ge­eigneter Planungsinstrumente ein gesamtökologischer und nach­haltiger Ansatz auch im öffentlichen Bauwesen ohne wesentliche Mehrkosten realisieren lässt.

 

Bauzeit:

Mai 2004 bis November 2005

 

Bauherr:

Gemeinde Ludesch Immobilienverwaltungs GmbH & Co.KEG

 

Architekten:

Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach

 

Tragwerksplaner:

Mader & Flatz Ziviltechniker GmbH, Bregenz

Merz, Kaufmann und Partner GmbH, Dornbirn

Zementol VertriebsgesmbH, Dornbirn

 

Holzbau:

KLH Massivholz GmbH, Katsch

 

BGF:

3.770 m2

 

Fotos:

Bruno Klomfar (1, 2, 3)

Hermann Kaufmann ZT GmbH (4)