Görschstraße 48, Berlin

Wohnbau

 

Um das Marktsegment des Holzsystembaus für den mehrgeschos­sigen Wohnungsbau in Innenstädten systematisch zu erschlie­ßen, wurde vor dem Bauprozess an der TU Braunschweig unter­sucht, wie ein Wohnungsbau aus Holz in der Gebäudeklasse 4 mit einer Höhe der obersten Fußbodenoberkante von 13 Metern über Geländeniveau konzipiert sein muss, damit er im Rahmen der deutschen Musterbauordnung genehmigungsfähig ist und ohne Einzelfallprüfungen auskommt. Die Verfasser der Studie beant­worten die Frage nach der Konstruktion eines Mehrfamiliensys­temhauses mit einer Kombination aus Skelett- und Holztafelbau.

 

Das aus der Studie erwachsene Konzept erwies sich in der Pra­xis als sinnvoll: Grundrissflexibilität und nutzungsneutrale Räume, zentrale Erschließung und freie Adaptierbarkeit nach Lage des Grundstücks sind gegeben.

 

Bei dem Pilotprojekt in Berlin-Pankow schlossen sich 13 Parteien zusammen, um auf zwei unbebauten Grundstücken ein Wohnge­bäude zu errichten. Der partizipative Anspruch der Baugruppe ließ sich bei diesem Typus des "gestapelten Einfamilienhauses" dank flexibler Vorfertigungsmöglichkeiten im industriellen Holzbau be­sonders gut bedienen.

 

Das Gebäude ist als fünfgeschossiger Holzbau mit Stahlbetonanteilen konzipiert. Die vertikale Last­abtragung erfolgt über eine Holzskelettkonstruktion mit Stützen aus Brettschichtholz und deckengleichen Unterzügen aus Fur­nierschichtholz. Die Deckenelemente sind aus Brettsperrholz- Massivdecken in Elementgrößen von 3 × 6 Metern konstruiert. Im Bereich der Balkone kragen die Decken bis zu zwei Meter über die fassadenseitigen Unterzüge aus. Die Holzskelettkonstruktion der Außenwände wurde mit 36 Zentimeter dicken Holzrahmenele­menten und großformatigen Fensterelementen ausgefacht. Hoch beanspruchte Bauteile wie Fundamente, Keller, Brandwände und Treppenhauskerne sind in Stahlbeton gebaut.

 

Für den Brandschutz wurde ein objektbezogenes Gutachten erstellt, das weitreichende Vereinfachungen in Konstruktion und Brandschutz erlaubt. In Ab­weichung von der Musterholzbaurichtlinie wurden die Brettsperr­holz-Massivdecken holzsichtig ausgeführt und lediglich mit einer transparenten B1-Beschichtung versehen - die Kapselklasse der Außenwände wurde so von K 60 auf K 30 reduziert.

 

Die Schallschutzanforderungen laut DIN 4109-2 und den Richtlinien des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) wurden mit einer Entkopplung der Bauteile und einer sechs Zentimeter starken Splittschüttung zur Erhöhung der Masse der Brettsperrholz-Massivdecken erfüllt.

 

Bauzeit:

Oktober 2010 bis Oktober 2011

 

Bauherr:

Baugruppe 3 × grün Gbr, Berlin

 

Architekten:

IfuH Institut für urbanen Holzbau, Berlin Atelier pk, Berlin; roedig.schop architekten, Berlin; Rozynski Sturm Architekten, Berlin

 

Tragwerksplaner:

IFB frohloff staffa kühl ecker, Berlin

 

Brandschutzgutachten:

Dehne, Kruse Brandschutzingeniuere GmbH & Co.KG, Gifhorn

 

Holzbau:

A-Z Holzbau Zimmerei GmbH, Berlin

 

BGF:

2.877 m²

 

Fotos:

Stefan Müller