Färbergasse 17, Dornbirn

Gewerbebau

 

Ein Vorarlberger Bauunternehmen entwickelte ein Holzfertigteil- Baukastensystem zur Errichtung von energieeffizienten Hochhäu­sern bis zu einer Höhe von 100 Metern und bis zu 30 Etagen. Ein achtgeschossiger Prototyp dieses Systems mit 27 Meter Höhe entstand auf dem Werksgelände des österreichischen Unterneh­mens in Dornbirn. Das Bürogebäude ist das weltweit erste Hoch­haus in Holzhybridbauweise, das außerdem noch ein Passivhaus ist. Es wurde komplett im Werk vorgefertigt. Die Systembauweise minimierte Fehlerquellen in der Bauabwicklung und ermöglichte kurze Bauzeiten. Beim Prototyp wurden die rund um den Treppen­hauskern verlaufenden acht Geschosse in zehn Tagen wetterdicht montiert. Ursprünglich hätten auch Treppenhaus und Fahrstuhl­schacht aus Holz gebaut werden sollen, doch die Brandschutz­bestimmen lassen dies in Österreich für ein achtgeschossiges Gebäude (noch) nicht zu.

 

Die hier erstmals angewendete Holz-Beton-Verbundrippendecke ist der eigentliche Schlüssel, um in die Höhe zu bauen, da es mit ihr gelingt, die jeweiligen Geschosse durch eine nicht brennbare Schicht konsequent zu trennen. Bei der Entwicklung verschiede­ner technischer Varianten zeigte sich, dass die Hybridlösung den hohen Brandschutz- und Schallschutzanforderungen am besten gerecht werden kann. Die Verbundrippendecken bestehen aus Brettschichtholzträgern und einer 80 Millimeter dünnen Beton­schicht. Zwischen den Rippen ist die Haus- und Systemtechnik integriert. Im Fassadenbereich werden die Decken über ein ein­faches Rohr-Dorn-Stecksystem gelenkig auf 42 Brettschichtholz- Doppelstützen im Abstand von 2,70 Metern gelagert. Durch den Verbund mit dem Randbalken der Decke aus Beton wird so die geschossweise brandschutztechnische Trennung realisiert. Am Stahlbetonkern, der die Horizontalkräfte aus der Deckenscheibe übernimmt, lagern die Decken auf Stahlkonsolen auf.

 

Ein nächstes Projekt wird derzeit mit diesem System errichtet: Mit fünf Geschossen und über 10.000 Quadratmetern Bruttoge­schossfläche sowie 120 Metern Länge wird das neue Büroge­bäude zu den größten und nachhaltigsten Holz-Hybridbauten der Welt zählen.

 

Bauzeit:

Juni 2011 bis Juni 2012

 

Bauherr:

Cree GmbH, Bregenz

 

Architekten:

Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach

 

Tragwerksplaner:

merz kley partner ZT GmbH, Dornbirn

 

Brandschutzgutachten:

IBS Institut für Brandschutztechnik

Sicherheitsforschung GmbH, Linz

 

Holzbau:

Sohm Holzbautechnik GesmbH, Alberschwende

 

BGF:

2.319 m²

 

Fotos:

Norman A. Müller (1, 2)

Hermann Kaufmann ZT GmbH (3, 4)