Informationen zur regenerationsorientierten Bodenschutzkalkung

 

Voraussetzungen für die Durchführung einer Kalkungsmaßnahme

  • Ihre Notwendigkeit wird standortsbezogen anhand von Nährstoffbilanzierungen und Kalkulationen der aktuellen Säurebelastung, hilfsweise anhand der Kriterien pH-Wert (KCl) und Basensättigung / im Mineralboden, sowie durch nadel-/blattanalytisch nachgewiesenen Nährstoffmangel begründet.
  • Der standortsspezifische Kalkungsbedarf wird von dem natürlichen, vorindustriellen Bodenzustand unter Einbeziehung früherer Kalkungsmaßnahmen, alternativ aus Langzeit-Ca- und Mg-Bilanzsalden ermittelt.
  • Stickstoffausträge können aufgrund der niedrigen Dosierung und Löslichkeit der verwendeten Materialien minimiert werden.
  • Schäden an Flora und Fauna werden in der technischen Umsetzung der Bodenschutzkalkung (konsequente Aussparung sensitiver Biotope, Ausbringungszeitpunkt, Wahl geeigneter Kalkungsmaterialien und Ausbringungsverfahren) minimiert.

Historie

  • Zum Schutz der Bodenqualität wurden in Baden-Württemberg seit 1983 in allen Waldbesitzarten Bodenschutzkalkungen mit dem Ziel durchgeführt, die aktuellen Säureeinträge zu neutralisieren und so einer weiteren Bodenversauerung und dem irreversiblen Verlust von Bodenqualität entgegen zu wirken.
  • Dabei wurden durchschnittlich rund 15.000 ha/Jahr gekalkt.
  • Das Ziel dieser Kalkung war die Kompensation der Säureeinträge. Darauf war die Dosierung und auch die Auswahl und Priorisierung der zur Kalkung heranstehenden Standorte abgestimmt und es wurden die versauerungsempfindlichsten, am stärksten versauerten Böden bevorzugt gekalkt, weil sich dort der Säureeintrag am akutesten auswirkte. So konnte der Bodenzustand seit 1983 nicht verbessert, sondern lediglich die Böden durch die Kalkungen vor einem Fortschreiten der Bodenversauerung geschützt werden.
  • Als Erfolg einer konsequenten Luftreinhaltepolitik konnten in den vergangenen Jahren die Säureeinträge auf einem Großteil der Landesfläche soweit zurückgeführt werden, dass eine weitere Bodenversauerung nur noch sehr langsam verläuft oder sogar ganz gestoppt wurde. Tatsächlich verbleibt jedoch durch die Bodenversauerung eine depositionsbedingte Altlast, die Waldökosysteme und ihre Funktionen nach wie vor belastet. Die nach wie vor anhaltenden Stickstoffeinträge aus der Luft verschärfen diese Problematik zusätzlich.
  • Es besteht also trotz der Reduktion von Säuredepositionen ein Sanierungsbedarf, um die natürlichen Funktionen der Waldböden wiederherzustellen.
  • Zur effizienten und dauerhaften Regeneration essenzieller Bodenfunktionen bedarf es daher eines langfristigen Kalkungskonzeptes, das nicht nur die aktuellen Säureeinträge neutralisiert, sondern auch die im Boden gespeicherten und schädlichen Säuremengen abbaut.
  • Dieses Programm der regenerationsorientierten Bodenschutzkalkung ist Bestandteil der umfassenden Strategie von ForstBW zum Nachhaltigkeitsmanagement.
  • Langfristig angelegte Bodenuntersuchungen (Bodenzustandserhebung, BZE) bestätigen die positive Wirkung der Bodenschutzkalkungen (Hartmann et al. 2016). Zwischen 1992 und 2007 sind die pH-Werte auf gekalkten Flächen bis in eine Tiefe von 30 cm mit 0,2-0,3 pH-Werten signifikant deutlicher angestiegen als im Rest des Landes. Des Weiteren haben gekalkte Flächen eine deutliche Erhöhung der Calcium- und Magnesium-Belegung am Austauscher bis in eine Tiefe von 60 cm gegenüber ungekalkten Waldböden aufgewiesen.

Eingesetzte Materialien

  • Dolomitkalk (3 Tonnen / Hektar mit ca. 7 % Wasser) oder
  • Dolomitkalk mit Holzasche versetzt (4 Tonnen / Hektar mit ca. 10 % Wasser)
  • Der Waldzustandsbericht 2012 (Meining et al. 2012: http://www.fva-bw.de/publikationen/index3.html) führt aus, dass die in Baden-Württemberg im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern großflächiger durchgeführten Bodenschutzkalkungen zu einer Entspannung der Ernährungssituation der Waldbäume geführt hat.
  • Ausgenommen hiervon ist nach dem Bericht jedoch das Nährelement Kalium, welches im Dolomitkalk, der bei der Bodenschutzkalkung verwendeten wird, nicht enthalten ist. Auch bei Phosphor besteht eine gewisse Unsicherheit darüber, wie sich die Ernährungslage entwickeln wird. Bundesweit wird überwiegend eine Verschlechterung der Phosphorernährung beobachtet, die dem Abnahmetrend in der ersten Hälfte der Beobachtungsperiode in Baden-Württemberg entspricht.
  • Diese beiden Nährelemente sind in Holzaschen enthalten, die eine wertvolle, ernährungswirksame Ergänzung der Bodenschutzkalkung darstellt. Bei der Bodenschutzkalkung in Baden-Württemberg werden Holzaschen, in Mischung mit Dolomitkalk auf Standorten mit Tendenz zu Kaliummangel eingesetzt. Diese Holzaschen müssen die gesetzlichen Anforderungen der Düngemittelverordnung (Schwermetallgrenzwerte) erfüllen. Aus diesem Grund werden seit 2016 nur noch mit dem RAL Gütezeichen 252/1 gütegesicherte Holzaschen zur Ausbringung in der Bodenschutzkalkung zugelassen.
  • Des Weiteren werden nur Holzaschen verwendet, deren Kalium- und Phosphorgehalte nachweislich geeignet sind, um in Mischung mit Dolomitkalk eine Wiederannäherung der Bodenreaktion (pH-Wert) sowie der Basen- und Nährstoffausstattung der Böden an die natürlichen "vorindustriellen" Bodenverhältnisse zu erreichen. Vgl. Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg/ Merkblatt 54 (2013): undefinedRegenerationsorientierte Bodenschutzkalkung

Quellenverzeichnis

  • V. WILPERT, K.; HARTMANN, P. & SCHÄFFER, J. (2013): Regenerationsorientierte Bodenschutzkalkung, Merkblätter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt 54/2013. Freiburg i. Br., 39 S.
  • MEINING, S.; V. WILPERT, K.; SCHÄFFER, J.; HARTMANN, P.; SCHUMACHER, J.; DELB, H. & AUGUSTIN, N. (2012): Waldzustandsbericht 2012 für Baden-Württemberg, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, 64 S.
  • HARTMANN, P.; BUBERL, H.; PUHLMANN, H.; SCHÄFFER, J.; TREFZ-MALCHER, G.; ZIRLEWAGEN, D. & VON WILPERT, K. (2016): Waldböden Südwestdeutschlands - Ergebnisse der Bodenzustandserhebungen im Wald von 1989 – 1992 und 2006 – 2008. Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Verlag Kessel, Remagen-Oberwinter, 328 S.