Solidarische Forstwirtschaft in Krisenzeiten

27.04.2020 - Die Forstleute im Land sind aktuell sehr beunruhigt. Gerade deshalb herrscht in den Wäldern eine verstärke Aktivität und die Akteure sind seit Wochen in ständiger Alarmbereitschaft. Doch was genau ist der Auslöser für die Sorgen der Försterinnen und Förster und Waldbesitzenden? 

Die Gründe sind vielfältig und es kommen aktuell mehrere Entwicklungen zusammen. Die Wälder sind nach zwei extremen Trockenjahren geschwächt und von einem massiven Borkenkäferbefall der Vorjahre geschädigt. Zusätzlich haben die Stürme im Februar, mit regionalen Unterschieden, zu einer Vielzahl an umgeworfenen und gebrochen Stämmen geführt. Landesweit ist eine Schadholzmenge von 1,6 Millionen Kubikmeter angefallen. Dies ist ein idealer Fraß- und Brutraum für Borkenkäfer. Bleibt die Witterung in den nächsten Wochen weiterhin sehr trocken, führt dies zu einer weiteren Massenvermehrung der Borkenkäfer. Für die Forstleute ist es das Gebot der Stunde, alles für den Schutz und Erhalt des Waldes zu tun und befallenes Sturmholz möglichst schnell aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen. Schnell deshalb, damit der Käfer und seine Nachkommen nicht weitere Stämme befallen können. Denn der milde Winter hat nicht zu einer Reduzierung der Käfer geführt und die momentane Witterung begünstigt, dass die kleinen Tierchen direkt mit dem Fraß an den bisher noch verschonten Bäumen beginnen.

Jetzt verschärft sich die Situation täglich durch die Entwicklungen um die Corona-Pandemie, denn viele Sägewerke können nicht mehr im gewohnten Umfang produzieren und haben die Abnahme von Hölzern stark zurückgefahren. Dadurch stockt die Abfuhr der Hölzer aus dem Wald.

ForstBW betreut insgesamt ca. 320.000 ha Staatswald in Baden-Württemberg und verfolgt zur Lösung dieser Problematik verschiedene Ansätze. In erster Linie gilt es, das befallene Sturmholz und frisch befallene Käferbäume aufzuarbeiten und zeitnah aus dem Wald zu transportieren. Dies ist besonders dort wichtig, wo noch viele gesunde Bäumen stehen oder die Möglichkeiten besteht, dass die Käfer auf Flächen benachbarter Waldbesitzer übergehen. Ist es nicht möglich, das aufgearbeitete Rundholz direkt an Sägewerke zu liefern, besteht die Möglichkeit die Stämme zwischenzulagern. Das kann kurzfristig außerhalb des Waldes geschehen oder längerfristig in sogenannten „Nasslagern“. Dafür stehen große Lagerplätze mit installierten Beregnungsanlagen zur Verfügung. Durch die permanente Beregnung mit Wasser, behält das Holz seine Feuchte und der Borkenkäfer, sofern er bereits in die Rinde eingebohrt hat, wird in seiner Entwicklung gestoppt. 

Diese Lagerplätze sind über das ganze Land verteilt und werden überwiegend von ForstBW betreut. Aufgrund des beschriebenen Engpasses bei der Belieferung von Sägewerken, ist aktuell die Befüllung der Nasslager in vollem Gange. Vor allem wertvolles Rundholz wird eingelagert. Weil nicht nur Staatswald betroffen ist, unterstützt ForstBW auch die Waldbesitzenden aus Kommunal- und Privatwald.  „In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, den Schulterschluss mit den Waldbesitzern der betroffenen Regionen zu suchen. Wir zeigen uns solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Privat- und Kommunalwald und helfen wo wir können“, führt Hans-Joachim Hormel, der zentrale Holzverkäufer des Unternehmens ForstBW, aus. Mit der Aktivierung der für den Krisenfall vorhanden Nasslager, wird nicht nur die Verbreiterung des Borkenkäfers eingedämmt, sondern auch der Holzmarkt entlastet, denn beregnetes Holz kann ohne Qualitätsverlust bis zu 4 Jahre eingelagert werden. 

Neben der schnellen Aufarbeitung und Nasslagerung des Schadholzes, ist es für ForstBW oberstes Gebot, langfristig zu denken und in alle Überlegungen ökologische Gesichtspunkte mit einzubeziehen. Die Schadflächen und auch die bestehenden Wälder müssen hin zu klimastabileren Beständen entwickelt werden. Hierzu gehört zum Beispiel, dass Totholz als Lebensraum für seltene Tierarten belassen, bei der Wiederbewaldung der Flächen Vielfalt mit unterschiedlichsten Baumarten geschaffen wird und bei der Aufarbeitung die hohen FSC- und PEFC-Standards eingehalten werden.