Pssst- nicht stören. Der Staatswald als Kinderstube

Wildschweine mit Nachwuchs können auch für Hunde und deren Halter:innen gefährlich werden. (Foto: Volker Keinath/ ForstBW)

14.04.2022 - Max Reger, Vorstandsvorsitzender von ForstBW: „Unser Wild zieht im Moment seine Jungtiere in den Wäldern groß. Deshalb sind die Tiere aktuell besonders empfindlich.“

 

Die Bäume treiben aus, die Vögel zwitschern und der Wald duftet nach Bärlauch. Mit anderen Worten: Der Frühling ist da. „Gerade jetzt ist der Drang groß, unsere Zeit im Wald zu verbringen. Doch dabei dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Wildtiere im Moment besonders auf die Rücksicht der Waldbesucher:innen angewiesen sind“, erklärt Max Reger.

 

Die meisten Waldbewohner sind im Frühjahr und Frühsommer mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Deshalb sollten Hundehalter:innen ihre vierbeinigen Begleiter nicht aus den Augen lassen und sie, wenn nötig, an der Leine führen. „Es ist ein schreckliches Bild, wenn der Hund ein Rehkitz reisst“, führt der Vorstandsvorsitzende von ForstBW aus. „Allen Naturliebhabern sollte daran gelegen sein, dieses Leid zu vermeiden“.

 

Aber nicht nur solche, für Jedermann erkennbare Unglücke sind die Folge. Wie Max Reger erklärt, befinden sich die Rehe im April in den letzten Zügen ihrer Tragzeit. Großer Stress der Muttertiere könne zu Früh- und Totgeburten führen. „Die Rehgeißen sind jetzt sehr empfindlich und träge. Sie können nicht so schnell reagieren, wie gewohnt. Jede Anstrengung multipliziert sich.“ Deshalb sei es besonders wichtig, dass man nicht durchs Unterholz stapft, sondern auf den Wegen bleibt. „Waldbesuchende, die auf Forst- und Wanderwegen bleiben, sind für das Wild berechenbar und sorgen für weniger Stress.“

 

Jungtiere nicht berühren

Immer wieder treffen Waldspaziergänger:innen auf junge Vögel oder Säugetiere, die vermeintlich hilflos am Wegrand sitzen. „In den meisten Fällen sind solche Findlinge nicht verlassen, sondern die Elterntiere halten sich in unmittelbarer Umgebung auf. Aber solange Menschen in der Nähe sind, trauen sie sich nicht, sich ihrem Nachwuchs zu nähern“, weiß der Vorstandsvorsitzende. „Diese Tiere sollte man auf keinen Fall anfassen, oder gar aus Hilfsbereitschaft mitnehmen“. Oft schrecke der Geruch der Menschen die Elterntiere ab, so dass sie ihren Nachwuchs anschließend meiden. „Damit hat man mehr Leid verursacht, als verhindert“, erklärt Max Reger.

 

Gefahr für Mensch und Hund

Doch nicht nur für die Wildtiere selbst kann dieses Verhalten zur Gefahr werden. „Einige Wildarten neigen dazu, ihren Nachwuchs zu verteidigen. Eine Bache, ein weibliches Wildschwein, versteht überhaupt keinen Spaß, wenn Menschen oder Hunde sich ihren Frischlingen nähern. Da kann es durchaus vorkommen, dass Waldbesucher:innen von solchen besorgten Müttern ernsthaft attackiert werden,“ erklärt der Forstexperte. Deshalb empfiehlt der Vorstandsvorsitzende von ForstBW: „Verhalten Sie sich im Wald so, wie sie es von Fremden gegenüber ihren eigenen Kindern erwarten. Respektvoll und zurückhaltend. Die Tiere werden es Ihnen danken“.

 

 

Über ForstBW

Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 324.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes durch Forst Baden-Württemberg, AöR ist FSC® C120870 und PEFC zertifiziert. Seit dem 01. Oktober 2020 trägt ForstBW zudem das Gemeinwohl Ökonomie Zertifikat.