Kreuz und quer fahren verboten – Rückegassen dienen dem Schutz unserer Waldböden

Bildautor: Jürgen Pfau (ForstBW)

24.02.2022 - Max Reger, Vorstandsvorsitzender von ForstBW: „Mit den Rückegassen schützen wir unsere empfindlichen Waldböden. Auf neunzig Prozent der Waldfläche vermeiden wir so eine Befahrung bei der Holzbereitstellung.“ 

 

Klaus Schätzle, Vorsitzender der Forstunternehmer im Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) e.V.: „Rund 70 % der praktischen Tätigkeiten in Wäldern werden durch private forstliche Dienstleistungsunternehmen und ihr Personal durchgeführt.“ 

 

 

Während der Holzerntesaison im Herbst und Winter sind neben unseren Forstwirtinnen und Forstwirten auch große Maschinen allgegenwärtig. Holzerntemaschinen -sogenannte Harvester- bringen die Bäume zu Fall, während Rückeschlepper die gefällten Baumstämme anschließend bis an den Waldweg bringen. „Die gefällten Stämme dabei pfleglich aus dem Wald zu holen, ist keine einfache Sache“, weiß Max Reger, Vorstandsvorsitzender von ForstBW. „Ein Fahren kreuz und quer durch den Wald ist hierbei dennoch absolut tabu!“, so Reger weiter. Denn neben der Ernte von nachhaltigem Holz ist ForstBW der Schutz der Waldböden ein großes Anliegen. 

 

 

90% der Flächen werden nicht befahren 

ForstBW als FSC® (C120870) und PEFC-Zertifizierter Staatsforstbetrieb weiß um die vielen Vorteile der bodenschonenden Holzernte und ist sich seiner Verantwortung gegenüber dem komplexen Ökosystem Wald mehr als bewusst. Die Forstexperten setzen beim Thema Bodenschutz auf ein umfassendes Rückegassenkonzept. Als Rückegassen bezeichnet man Wege, die nur von speziellen Forstmaschinen befahren werden können. Rückegassen sind die Feinerschließungslinien des Waldes, die dafür sorgen, dass bei einer flächig stattfindenden Holzernte dennoch 90% der Waldfläche nicht befahren werden müssen. Dass der Waldboden auf den Rückegassen in Mitleidenschaft gezogen wird, dessen ist sich Max Reger durchaus bewusst. „Mit Rückegassenabständen von i.d.R. 40 Meter, konzentrieren wir die maschinelle Belastung der Waldböden bewusst auf maximal 10% der Waldfläche“ erläutert der Vorstandsvorsitzende und hebt zeitgleich den Einsatz von besonders pfleglicher Technik auf den befahrenen Rückegassen hervor. Auch wenn manche Waldbesuchende sich in der Holzerntesaison an frisch befahrenen Rückegassen stören, sind sie doch unentbehrlich für den Schutz unserer Wälder.  

 

 

Breite Reifen und Bänder 

Größere Baumstämme bringen ein Gewicht von mehreren Tonnen auf die Waage. Ein kleiner Traktor oder gar Geländewagen zieht solch einen Koloss keinen Zentimeter von der Stelle. Hier sind kräftige und damit schwere Maschinen nötig. Damit sich das Gewicht der Forstmaschinen besser verteilt, sind diese oft mit sechs oder sogar acht Rädern mit extra breiten Niederdruckreifen ausgestattet. Das Aufziehen von Bändern über die Reifen vergrößert die Aufstellfläche der Forstmaschinen zusätzlich und minimiert so zudem das Gewicht v.a. bei befahrungsempfindlichen Böden weiter. „So imposant diese großen Maschinen auch aussehen, so sorgen unsere sehr gut ausgebildeten Maschinenführer:innen dafür, dass sie ihre Arbeit als `sanfte Riesen` verrichten.“, weiß der Vorstandsvorsitzende seine Kolleginnen und Kollegen aus der Forstpraxis zu schätzen. Ein spezielles Bodenschutzkonzept von ForstBW beinhaltet Grenzwerte, ab denen die Arbeit eingestellt wird. Stellt sich heraus, dass etwa bei sehr nasser Witterung die Fahrspuren zu tief werden, müssen die Maschinenführer:innen die Arbeiten vorübergehend unterbrechen. 

 

 

Steigerung der Arbeitssicherheit 

Für eine mechanisierte Holzernte sprechen neben der hohen Produktivität auch verschiedene Aspekte der Arbeitssicherheit, wie Klaus Schätzle erklärt. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist eine leistungsfähige Forstwirtschaft ohne den Einsatz von Spezialmaschinen nicht denkbar.   Die ökologischen Anforderungen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und die komplexe Bedienung und Wartung der computergesteuerten Großtechnik erfordert speziell ausgebildetes Personal. Die Anschaffungskosten für einen Harvester liegen bei rund 570.000 € und für einen Rückezug müssen weitere 400.000 € investiert werden. „Damit sich diese Investitionen wirtschaftlich und im Sinne des Umweltschutzes lohnen, sind wir neben den eigenen Fachkräften auch auf einen gut geplanten Einsatzort mit durchdachten Rückegassen angewiesen“ hält Klaus Schätzle fest.  

Entsprechend der Vorgaben der Waldstandards PEFC und FSC® sind auch die Forstunternehmer zertifiziert. Eingeschlossen sind dabei auch Maschinen, die mit umweltverträglichen Spezialölen ausgerüstet sein müssen.  

 

 

Seltene Tierarten profitieren von Rückegassen 

Kaum kündigt sich der Frühling an, verschwinden die meisten Maschinen aus dem Wald. Innerhalb kürzester Zeit erobert sich die Natur die Rückegassen zurück. So findet zum Beispiel die seltene Gelbbauchunke in den vorübergehend entstehenden Tümpeln der Fahrspuren einen wichtigen Lebensraum. Ohne diese Kleinstbiotope könnten die Amphibien vielerorts nicht überleben. ForstBW entwickelt aktuell für die Gelbbauchunke in enger Abstimmung mit Artexperten und der Naturschutzverwaltung ein besonderes, bundesweit einmaliges Arterhaltungskonzept. „Wir bei ForstBW gehen pfleglich mit den uns anvertrauten Waldbeständen um. Die wirtschaftliche Bereitstellung des Rohstoffes Holz wollen wir in Einklang bringen mit dem Natur- und Artenschutz, aber auch mit dem Bodenschutz.“, sagt Max Reger.  

 

 

Über ForstBW  

Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 324.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes durch den Landesbetrieb ForstBW ist FSC® (C120870) und PEFC zertifiziert. Seit dem 01. Oktober trägt ForstBW zudem das Gemeinwohl Ökonomie Zertifikat. 

 

 

Über den Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) 

Der Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) e.V. ist der Wirtschafts- und Berufsverband für mittelständische Unternehmen des privaten Agrargewerbes in Süddeutschland. Als unabhängiger Wirtschaftsverband bietet er seinen rund 1.300 Mitgliedsunternehmen im Zuliefer- und Absatzgeschäft der Land- und Forstwirtschaft ein breites Spektrum an Leistungen. Interessensvertretung, Information und Beratung sind dabei Schwerpunkte.