Der Forstbezirk Tauberfranken erreicht das 10-Prozent Ziel für Flächenstilllegungen aus der Nationalen Biodiversitätsstrategie

16.09.2021 - Im Rahmen der zum 1. Juli 2021 neu erstellten 10-jährigen Nachhaltigkeitsplanung der sogenannten Forsteinrichtung, wurden im Forstbezirk Tauberfranken 1.000 Hektar neue „Waldrefugien“ ausgewiesen. Das sind „Mini-Bannwälder“ von in der Regel ein bis drei Hektar Fläche, die dauerhaft aus der Bewirtschaftung genommen werden. Zusammen mit fünf größeren Bannwäldern und unzähligen über die gesamte Landeswaldfläche in der Region verteilten Habitatbaumgruppen ergibt sich nun eine Stilllegungsfläche von 10 % der Forstbezirksfläche. ForstBW-Vorstandsvorsitzender Max Reger: „Wir haben damit in der Region Tauberfranken die von der nationalen Biodiversitätsstrategie und dem baden-württembergischen Koalitionsvertrag vorgegebene Marke bereits geknackt. Mit den verschiedenen Elementen unseres Alt- und Totholz-Konzeptes liefern wir flächendeckend wertvolle Trittsteine für den Natur- und Artenschutz. Auch in den anderen Forstbezirken wird daher die Ausweisung von Waldrefugien intensiviert.“

 

Bei den im Forstbezirk Tauberfranken neu ausgewiesenen Waldrefugien handelt es sich um eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Waldflächen: Besonders alte Bestände mit sogenannten „Methusalem“-Bäumen, stark dürregeschädigte Buchenwälder mit sehr viel Totholz und Bereiche auf Sonderstandorten wie Klingen, Trockenhängen oder Feuchtbiotopen, in vielen Fällen Lebensräume besonders seltener Tier- und Pflanzenarten.

 

Stehendes und liegendes Totholz stellt im Ökosystem Wald eine enorm wertvolle Ressource dar. Pilze, Flechten, Moose, Schnecken, Käfer, Vögel und Säuger stellen rund 11.000 Arten in den Wäldern Deutschlands dar. Von diesen Arten ist ein Großteil auf das Vorhandensein von Totholz z.B. als Unterschlupf, Brutplatz oder Nahrungsquelle angewiesen. Das bedeutet, dass Totholz ein entscheidender Faktor für die Sicherung der biologischen Vielfalt im Ökosystem Wald ist.

 

 

Begriffserklärung

 

Bannwald: Sich selbst überlassenes Waldreservat. Viele Bannwälder werden bereits seit einigen Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet. Aktuell sind in Baden-Württemberg 109 Bannwälder ausgewiesen - fast ausschließlich im Staats- und Kommunalwald. Mit insgesamt 7.600 Hektar entsprechen sie rund 0,6 % der Gesamtwaldfläche.

 

 

Waldrefugien: Bestände und Bestandesteile von ein bis drei (max. 10, in Ausnahmefällen bis 20) Hektar Größe, die dauerhaft aus der Bewirtschaftung genommen werden.

 

 

Habitatbaumgruppen: Baumgruppen aus etwa 15 Bäumen, die in Beständen ausgewählt und markiert werden. Die Bäume bleiben ihrer natürlichen Entwicklung und Alterung überlassen bis zur Zersetzung des entstandenen Totholzes.