Wie viel Totholz braucht der Wald?

Anders gefragt: braucht der Wald überhaupt absterbende und abgestorbene Bäume - so genanntes Totholz? Es produziert keine Biomasse mehr, wird nicht als Rohstoff verwendet, filtert keine Schadstoffe aus der Luft.

 

Die Antwort ist dennoch eindeutig: Ja! Pilze, Flechten, Moose, Schnecken, Käfer, Vögel und Säuger stellen rund 11.000 Arten in den Wäldern Deutschlands. Von diesen Arten ist ein Großteil auf das Vorhandensein von Totholz angewiesen. Das bedeutet, dass Totholz ein entscheidender Faktor für die Sicherung der biologischen Vielfalt im Ökosystem Wald ist.


Totholz im Wald steht oft in Konflikt mit den sonstigen Anforderungen, die im Rahmen der Waldnutzung gestellt werden, beispielsweise Arbeitssicherheit, Verkehrssicherungspflicht oder Ökonomie. Aus diesem Grund wurde von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz BW in einem gemeinsamen Projekt ein Konzept zur Lösung dieser Zielkonflikte entwickelt.

Grundidee ist es, ein Netz kleinerer Flächen dauerhaft oder periodisch aus der Bewirtschaftung zu nehmen und dort Bäume ihrer natürlichen Entwicklung und dem Zerfall zu überlassen. Diese Flächen werden dabei zwei unterschiedlichen Kategorien zugeordnet:

  • Waldrefugien: Bestände und Bestandteile ab etwa 1 Hektar Größe, die dauerhaft aus der Bewirtschaftung genommen werden.
  • Habitatbaumgruppen: Baumgruppen aus etwa 15 Bäumen, die in Beständen ausgewählt und markiert werden und periodisch – bis zum Zusammenbruch und natürlichem Zerfall – aus der Bewirtschaftung genommen werden.