Der Wald in Baden-Württemberg

- ausgewählte Ergebnisse der 3. Bundeswaldinventur - 

Konstante Waldfläche

Die Waldfläche ist seit 1987 nur leicht gestiegen.

  • Waldfläche 1987 = 1.359.928 ha
  • Waldfläche 2002 = 1.362.229 ha 
  • Waldfläche 2012 = 1.371.886 ha | Waldanteil der Landesfläche = 38,4 %

Die Waldfläche ist somit stabil geblieben, und Baden-Württemberg weist nach Hessen, Rheinland-Pfalz und  dem Saarland nach wie vor eine über dem Bundesdurchschnitt liegende Bewaldung vor. Absolut betrachtet besitzt Baden-Württemberg nach Bayern die zweitgrößte Waldfläche im Bundesvergleich.

 

 

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Waldeigentumsarten

Bei den Waldeigentumsarten ist es in den vergangenen 25 Jahren zu keinen wesentlichen Verschiebungen gekommen:

  • Körperschaftswald 40 %
  • Privatwald 35,9 %
  • Staatswald im Landeseigentum 23,6 %
  • Bundeswald 0,5%

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Der Lebensraum Wald

Fichte, Buche, Tanne, Kiefer und Eiche nehmen über drei Viertel der Waldfläche ein und prägen das Waldbild des Landes. Nennenswerte, wenn auch kleinere Anteile haben Eschen, Bergahorn, Douglasie, Lärche, Hainbuche, Birken und Erlen. Insgesamt wurden in Baden-Württemberg 50 verschiedene Baumarten erfasst, die meisten jedoch mit minimalen Anteilen.

 

 

Die Baumarten-zusammensetzung des Waldes bestimmt die biologische Vielfalt und charakterisiert den Wald als Lebensraum; die Entwicklung der Baumartenanteile ist ein wichtiger Weiser für die Beurteilung der waldbaulichen Strategie und waldökologischen Dynamik. Seit 1987 nimmt der Anteil der Laubbäume kontinuierlich zu, im Gesamtwald von 36,1 % 1987 über 42,9 % 2002 auf 46,8 % in 2012. Wesentlich für diesen Trend ist der Rückgang der Flächenanteile bei Fichte und Kiefer. Die wichtigste Laubbaumart Buche erhöhte ihren Anteil am stärksten in der Periode von 1987 bis 2002, der Anstieg bis 2012 fiel moderater aus. Die Douglasie hat in den 25 Jahren seit 1987 ihren Anteil von 2,3 % über 2,8 % (2002) nun auf 3,4 % gesteigert, liegt aber immer noch deutlich hinter den Laubbaumbaumartengruppen.

Das Alter der Bäume steigt seit 1987 im Mittel über alle Baumartengruppen: der Anteil der über 100jährigen Bäume bei den Nadelbäumen stieg von 15,7 % in 1987 auf 21,1 % in 2002 und liegt 2012 bei 23,3 %. Die Laubbaumarten sind allgemein im Mittel älter, aber auch hier stieg der Anteil der über 100jährigen Bäume von 24,4 % in 1987 bis auf 30,3 % in 2012 an. Insgesamt sind aktuell fast 27 % der Waldbäume über 100 Jahre alt, 25 Jahre zuvor waren es noch knapp 19 %.


In der Verjüngung (dem Baumkollektiv mit einer Mindesthöhe von 0,2 m und einem d1,3 unter 7 cm) dominieren mit rund 71 % Anteil im Gesamtwald die Laubbäume. Am deutlichsten zugenommen hat der Laubholzanteil seit 2002 im Privatwald. Zwischen BWI 2 und 3 zeigen sich leichte Verschiebungen der Baumartenanteile: generell ist der Fichtenanteil (ca. 22%) rückläufig, der Tannenanteil bei knapp 6 % stabil. Die Buche als Einzelart hält den höchsten Anteil (ca. 29 %), auch wenn die Gruppe der Laubbäume höherer Lebensdauer (Esche, Ahorn, Hainbuche, Linde) zusammen auf knapp 35 % kommen.


Die Lebensraumqualität des Waldes wird ferner durch seine vertikale Schichtung im Kronenraum bestimmt. Auch hier zeigt sich eine positive Entwicklung zur Mehrschichtigkeit: demnach weist der Gesamtwald in Baden-Württemberg nur noch auf knapp 19 % einschichtige Bestände auf, der Anteil der zweischichtigen Wälder liegt nun bei 55 %, und mehrschichtig sind 26 % der Bestände. Des Weiteren bestimmt die Baumartenmischung die Artenvielfalt und Stabilität der Wälder: lag bei der 2. Bundeswaldinventur 2002 der Flächenanteil der Reinbestände, in denen eine Baumart mit über 90 % vorherrscht, noch bei 16,5 %, ist er nun 2012 auf 13,5 % weiter zurückgegangen. Die Flächenanteile der Mischbestände mit Beimischungen bis 10 % sind ebenfalls von 17,1 % auf 15 % rückläufig, während die reicher gemischten Bestände mit Beimischungen bis 50 % ihren Anteil von 66,4 % auf 71,5 % steigern konnten.


Bei der Naturnähe der Baumartenzusammensetzung nimmt der Wald in Baden-Württemberg einen Spitzenplatz ein: Im Vergleich mit dem Jahr 2002, als bei der BWI 2 erstmals die Naturnähe angesprochen worden ist, hat sich der Anteil der sehr naturnahen und naturnahen Bestockungen erhöht. Im Bundesvergleich weist der Wald in Baden-Württemberg jetzt mit 50,4 % die höchsten Anteile sehr naturnaher und naturnaher Bestockungen auf.


Totholz ist ein natürlicher Bestandteil der Wälder und bildet einen Lebensraum für Pilze, Flechten, Insekten und Vögel. Der Totholzvorrat erreicht 28,8 m³ je Hektar im Gesamtwald und ist im Bundesvergleich der höchste Wert, der deutlich über dem Bundesmittel von 20,6 m³ je Hektar liegt. Gegenüber der 2. Bundeswaldinventur hat der Totholzvorrat weiter leicht zugenommen. Ein direkter Vergleich mit der Voraufnahme ist aber nur möglich, wenn man  für die 3. Bundeswaldinventur die abweichenden (höheren) Aufnahmeschwellen der 2. Bun-deswaldinventur zugrunde legt, was einen niedrigeren Vorrat von 19,5 m³/ha ergibt. Dieser Wert ist mit dem bei der BWI 2 ermittelten Vorrat von 19,0 m³/ha vergleichbar. Demnach hat der Totholzvorrat nach BWI-2-Kriterien seit 2002 um 2,5 % zugenommen.


Biotopbäume bilden ein wichtiges Element für zahlreiche Arten und daher von hohem ökologischem Wert, da sie zur biologischen Vielfalt beitragen. Biotopbäume sind meist alte, starke Bäume mit besonderen Merkmalen wie Specht- oder Bruthöhlen,  Kronentotholz oder Pilzkonsolen; auch die für die heimischen Greifvögel wichtigen Horstbäume zählen zu dieser Kategorie. Insgesamt finden sich in Baden-Württembergs Wäldern rund 6,7 Millionen dieser Bäume, etwa 5 Stück je Hektar. Ihr Holzvorrat beträgt fast 13 Millionen m³, knapp 10 m³ je Hektar. Dass es sich um besonders starke Bäume handelt, zeigt ihr mittleres Volumen von 1,9 m³; zwei Drittel dieser Bäume haben einen Durchmesser von mehr als 50 cm. 83 % dieser Biotopbäume sind Laubbäume.

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Der Wald als Rohstoffquelle

Der Vorrat im Gesamtwald zeigt einen gesicherten positiven Trend, so stieg der Derbholzvorrat des Gesamtwalds 2012 auf einen neuen Höchstwert von 499 Mio. m³  in der Zeitreihe seit 1987 (463 Mio. m³, 2002: 486 Mio. m³).

 

 

Der Derbholzvorrat stieg somit in 25 Jahren um rund 36 Mio. m³ oder knapp 1,5 Mio. m³ je Jahr. Nach Baumartengruppen zeigen sich unterschiedliche Trends: eine deutliche Vorratszunahme ist bei der Douglasie und den Laubbäumen der Gruppen ALH (Andere Laubbäume hoher Lebensdauer) und ALN (Andere Laubbäume niederer Lebensdauer) zu verzeichnen. Auch Tanne, Buche und Eiche weisen eine signifikante Vorratserhöhung auf, bei der Lärche ist die Veränderung gegenüber 2002 nur noch geringfügig. Ein klarer Trend zum Vorratsabbau ist dagegen bei Fichte und Kiefer zu beobachten: von 2002 bis 2012 bei Fichte um -6,1 % und der Kiefer um -6,7 %, im gesamten Zeitraum von 1987 bis 2012 hat der Vorrat bei der Fichte sogar um 13,3 % und bei der Kiefer um 17,9 % abgenommen (jeweils bezogen auf den Ausgangsvorrat von 1987).

Im Staatswald hat der Gesamtvorrat im Jahrzehnt seit 2002 um gut 4 % zugenommen und liegt jetzt bei 107,1 Mio. m³ und damit knapp unter dem Ausgangswert von 1987 (107,8 Mio. m³). Auch hier hat der Rückgang des Fichten- und Kiefernvorrats angehalten, allerdings nicht mehr so stark wie im Zeitraum 1987 bis 2002 (wo Sturmschäden insbesondere der Fichte stark zugesetzt haben). Der Körperschaftswald verzeichnet seit 1987 einen beständigen Vor-ratsaufbau und erreicht nun 184,7 Mio. m³. Im Privatwald fällt der Vorratsanstieg von 2003 bis 2012 mit 1,8 % auf 205 Mio. m³ vergleichsweise moderat aus.
Im Bundesvergleich hat Baden-Württemberg nach Bayern die höchsten Vorräte je Hektar: Der mittlere Hektarvorrat liegt 2012 im Gesamtwald mit 377 m³  deutlich über dem Bundes-durchschnitt von 336 m³.
Nach Eigentumsarten ergibt sich folgendes Bild: der Staatswald erreicht einen mittleren Holzvorrat je Hektar von knapp 345 m³, der Körperschaftswald von 350 m³, und im Privatwald stehen enorme 428 m³ je Hektar. Differenziert man den Privatwald nach Eigen-tumsgrößenklassen Kleinprivatwald (bis 5 ha), Mittlerer Privatwald (über 5 bis 200 ha) und Großprivatwald (über 200 ha), zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen: während im Klei-nen und Mittleren Privatwald sehr hohe Hektarvorräte von 462 bzw. 472 m³ erreicht wer-den, ist der Hektarvorrat im Großprivatwald seit 2002 von 350 auf 339 m³ abgesunken.
Bei der Vorratsverteilung nach Stärkeklassen bestätigt sich der bereits für den Zeitraum 1987 bis 2002 festgestellte Trend zur Starkholzakkumulation bei allen Baumarten, so liegt der Starkholzanteil 2012 über alle Baumarten bei 30,7 % (2002: 24,5 %, 1987: 16,1 %). Besonders hohe Starkholzanteile weisen Tanne und Eiche auf, die jeweils im Gesamtwald bei rund 50 % liegen, es folgen Douglasie (42,5 %) und Buche (34,5 %), während Fichte und Kiefer knapp 23 % Starkholzanteil aufweisen. Insbesondere bei der Fichte ist im Öffentlichen Wald der Vorrat an schwachem bis mittelstarken Holz weiterhin rückläufig, nur im Privatwald der Größenklasse bis 200 ha haben sich größere Mengen an mittelstarkem Holz akkumuliert.


Der Zuwachs an Derbholz je Hektar und Jahr erreicht in der Periode 2002 bis 2012 mit 12,3 m³ im Mittel über alle Baumarten im Gesamtwald; dieser Wert liegt um ca. 11 % unter dem entsprechenden Wert der Periode 1987 bis 2002. Er liegt deutlich über dem Bundesdurch-schnitt von 10,8 m³ und ist nach wie vor der höchste Wert im Vergleich mit den übrigen Bundesländern. Der Zuwachsrückgang gegenüber der Vorperiode zeigt sich auch generell im Bundesgebiet und bewegt sich im natürlichen Schwankungsbereich des laufenden Zuwach-ses, welcher von zwei Faktorenkomplexen bestimmt wird: (1) der Zusammensetzung der Baumpopulation nach Baumarten und Altersphasen, (2) den Umweltbedingungen, insbe-sondere die Witterung (Niederschlag- und Temperaturbedingungen der Periode). Gegenüber der Vorperiode 1987 bis 2002 hat sich die Baumpopulation insofern verändert, als der Anteil der zuwachsstarken Fichte und ihrer besonders zuwachskräftigen Altersphasen zurückge-gangen ist und der Anteil der Laubbäume mit einer niedrigeren Volumenzuwachsleistung angestiegen ist.

Bezüglich der Witterungsbedingungen trat in der Periode 2002 bis 2012 einerseits mit 2003 ein extremes Trockenjahr auf mit Nachwirkungen in den zwei Folgejahren, andererseits war die zweite Hälfte der Periode von günstigen Wachstumsbedingungen für den Wald mit hohen Niederschlägen in der Vegetationsperiode gekennzeichnet, zum Teil aber auch mit ausgesprochenen Trockenphase im Frühjahr zu Vegetationsbeginn.

Beim Nutzungsgeschehen ergibt sich für die Periode 2003 bis 2012 folgendes Bild: aus dem Gesamtwald sind im Mittel pro Jahr 15,2 Mio. m³ m. R. durch Nutzung (und zu einem kleinen Anteil durch natürliche Mortalität) entnommen worden, dies entspricht einer geernteten Menge von 11,5 Mio. m³ o. R.. Je Hektar Holzbodenfläche wurden 8,7 m³ Erntevolumen o. R. bzw. 11,6 m³ Vorratsvolumen m. R..

Im Staatswald wurden jährlich 2,53 Mio. m³ o. R. geerntet (das entspricht einem Erntevolumen von 8,2 m³ ohne Rinde je Hektar und Jahr); flächenbezogen liegt damit die Nutzungsintensität im Staatswald unter den anderen Waldeigentumsarten, selbst im Privatwald lagen die flächenbezogenen Erntemengen mit 9,5 m³ ohne Rinde  je Hektar und Jahr höher. Im Körperschaftswald erreichte die Erntemenge bei 8,5 m³ ohne Rinde je Hektar und Jahr.
Die Gegenüberstellung von Zuwachs und Vorratsabgang erfolgt in der Einheit m³ Vorrat mit Rinde: insgesamt liegt im Mittel über alle Baumarten in allen Waldeigentumsarten die Vorratsentnahme („Abgang“) unter dem Zuwachs; eine Ausnahme bilden Fichte und Kiefer, bei denen mehr Vorrat entnommen wurde als zugewachsen ist.
Zum einen bewegt sich die Holznutzung immer noch auf einem hohen Niveau, zugleich nimmt in den letzten Jahren der Anteil der Waldflächen zu, auf denen die Holznutzung teilweise eingeschränkt oder ganz aufgegeben wird. Ein wichtiger Grund sind Naturschutzaspek-te, die in speziellen Schutzgebieten wie Bannwäldern, Kernzonen von Biosphärengebieten oder dem Nationalpark realisiert werden. Der Verzicht auf Holznutzung zugunsten des Arenschutzes und einer natürlichen Waldentwicklung findet vornehmlich im Staatswald statt.
Fasst man die Schutzgebiete Bannwälder, Biosphärenreservats-Kernzonen, Waldrefugien und den Nationalpark als so genannte Stilllegungsflächen zusammen, ergibt sich aktuell für den Staatswald ein Anteil von 5,5 %, der aus der forstlichen Nutzung herausgenommen ist.

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Der Wald als Kohlenstoffspeicher

Die gesamte in der oberirdischen Biomasse des aufstockenden Vorrats (nur lebende Bäume) enthaltene Trockensubstanz beläuft sich im Gesamtwald Baden-Württemberg im Jahr 2012 auf 281,8 Mio. t; gegenüber der Inventur von 2002 (271 Mio. t) hat der oberirdische Biomassevorrat um ca. 4 %, gegenüber der Inventur von 1987 (251 Mio. t) um ca. 12 % zugenommen. Je Hektar sind es 213 t (2002: 205 t; 1987: 186t). Die oberirdische Biomasse im Jahr 2012 entspricht einer Gesamtmenge von 517 Mio. t CO2 (390 t CO2/ha).

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