26.06.2015

Zweiter Luchs im Land bestätigt - Pressemitteilung 139/ 2015

Minister Alexander Bonde: „Die baden-württembergischen Wälder werden wieder Heimat für seltene Wildtiere“ - nachdem im Frühjahr dieses Jahres der erste Luchs im Schwarzwald bestätigt worden war, ist nun ein weiterer Luchs in den Hochschwarzwald zugewandert.


„Neben dem im April besenderten Luchs im Elztal konnte jetzt die Anwesenheit eines zweiten Luchses im Schwarzwald nachgewiesen werden. Der Luchs wurde im Kinzigtal in der Nähe von Hausach über eine Wildkamera erfasst. Damit leben jetzt zwei Luchse im Elz- und Kinzigtal“, sagte Naturschutzminister Alexander Bonde am Freitag (26. Juni) in Stuttgart.

Ein Jäger hatte der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA), die mit dem Luchsmonitoring im Land betraut ist, den Riss eines Rehs mit Verdacht auf Luchs gemeldet. Als der Luchs in einer der folgenden Nächte zu dem Riss zurückkehrte, wurde er von einer zwischenzeitlich angebrachten Fotofalle fotografiert. „Es ist erfreulich, dass hier alle Beteiligten eng zusammengearbeitet haben. Zum Glück ist es selten, dass Luchse Nutztiere reißen, aber wenn es geschieht, brauchen wir den engen Schulterschluss. Deshalb ist es gut, dass eine unbürokratische Entschädigung aus dem von privaten Verbänden eingerichteten Fonds möglich sein wird. Wenn der Luchs den Schwarzwald als Lebensraum wieder besiedelt, ist dies eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft und darf nicht zu Lasten der Nutztierhaltenden gehen“, sagte Bonde.

Da Luchse über ihre individuell unterschiedliche Fellzeichnung identifiziert werden können, konnten die Experten des Luchsmonitorings an der FVA belegen, dass es sich bei dem Luchs, der von der Fotofalle fotografiert worden war, offensichtlich um denselben Luchs handelt, der bereits im Februar im Gutachtal über eine Wildkamera erfasst worden war. Damals ergab ein Abgleich mit den für das Luchs-Monitoring zuständigen Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz, dass das Tier offensichtlich aus dem Schweizer Jura zugewandert ist. Über das Geschlecht des Luchses ist noch nichts bekannt – hier soll eine Gen-Analyse Aufklärung bringen. Die Expertinnen und Experten der FVA vermuten jedoch, dass es sich um ein männliches Tier handelt, da es vor allem männliche junge Luchse sind, die sich auf die weiträumige Suche nach einem eigenen Revier begeben. „Wenn die Ergebnisse der Gen-Analyse zeigen, dass es sich um ein männliches Tier handelt, werden die Expertinnen und Experten der FVA ebenfalls versuchen das Tier zu besendern. Bei weiblichen Tieren ist derzeit das Risiko wegen möglicher Jungtiere zu groß“, sagte der Minister.


Hintergrundinformationen:
 
Hinweise auf Luchse nimmt die FVA jederzeit unter der Nummer 0761/4018-274 entgegen.
Die Arbeitsgruppe Luchs besteht bereits seit 2004 (seit 2014 AG Luchs und Wolf) und behandelt alle Fragen rund um den Luchs in Baden-Württemberg. In dieser Arbeitsgruppe sind neben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) eine Vielzahl von Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Naturschutz, Jagd und Landwirtschaft vertreten.

Nachdem die FVA mit einer Informationsveranstaltung im April dieses Jahres und einem Rundschreiben im Mai Jägerinnen und Jäger sowie Nutztierhalterinnen und Nutztierhalter im Elztal über den besenderten Luchs informiert hatte, soll nun ein „Regionales Forum zum Umgang mit Großraubtieren im mittleren Schwarzwald“ eingerichtet werden. Ziel ist, die mit der Zuwanderung der beiden Luchse verbundenen Herausforderungen zwischen Jägerschaft, Nutztierhaltern und Naturschutzvertretern zu erörtern.

Luchse erreichen die Größe eines Schäferhundes, haben einen kurzen Schwanz und charakteristische Ohrpinsel. In ihrem Streifgebiet von bis zu 300 Quadratkilometer erbeuten sie hauptsächlich Rehe und Gämsen, gelegentlich auch Füchse und andere Säugetiere. Übergriffe auf Nutztiere werden durch private Verbände entschädigt. Dem Menschen gegenüber zeigt sich der Luchs äußerst selten. Kommt es zu einer Begegnung, so zieht sich der Luchs schnell zurück.

 

Weitere Informationen zum Luchs finden sich auf der Homepage der Arbeitsgruppe Luchs unter www.ag-luchs.de.