21.03.2013

Pressemitteilung 45/ 2013 - Erste Luchs-Sichtung in Baden-Württemberg seit 2007

Tag des Waldes am 21. März Naturschutzminister Alexander Bonde: „Der Nachweis des streng geschützten Luchses im Südschwarzwald ist eine erfreuliche Nachricht zum Tag des Waldes“


„Ein Autofahrer hat Mitte März im östlichen Südschwarzwald einen Luchs gesehen und fotografiert. Unsere Fachleute haben die Bilder geprüft und eindeutig einen in Freiheit lebenden Luchs bestätigt. Wir haben damit seit sechs Jahren den ersten sicheren Nachweis für diese streng geschützte und scheue Katzenart in Baden-Württemberg. Diese erfreuliche Nachricht zeigt, dass der Wald auch für seltene Wildtiere wieder zur Heimat wird. Dazu trägt nicht nur die zunehmend an der Natur orientierte Waldbewirtschaftung bei, die geeignete Lebensräume für eine breite Artenvielfalt schafft und erhält. Mit dem Generalwildwegeplan und mit einer angepassten Waldwirtschaft verfolgen wir unter anderem das Ziel, dem Luchs großräumige Wanderbewegungen zu ermöglichen“, sagte Naturschutzminister Alexander Bonde am Mittwoch (20. März) in Stuttgart im Vorfeld zum Tag des Waldes am 21. März.

 

Spurensuche geht weiter – aber vorsichtig

Die Luchsmeldung wurde in das landesweite Monitoring der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) aufgenommen. Über die Herkunft des aktuell nachgewiesenen Luchses gibt es bislang keine Informationen. „Unsere Expertinnen und Experten versuchen nun in aller gebotenen Vorsicht weitere Spuren des Luchses zu finden – beispielsweise Haare, die eine DNA-Analyse ermöglichen“, so Bonde. Die FVA sei dazu in enger Zusammenarbeit mit den Wildtierbeauftragten und der Jägerschaft vor Ort. Über DNA-Proben könne ermittelt werden, ob es sich um die Zuwanderung eines Tieres aus den schweizerischen Populationen, dem Bayerischen Wald oder aus den Vogesen handelt. Da Luchse in kurzer Zeit große Distanzen zurücklegen könnten, sei eine Zuwanderung aus allen diesen Regionen möglich. „Um diese Fragen beantworten zu können, ist es besonders wichtig, dass alle Spuren gemeldet werden. Genauso wichtig ist, dass der Luchs dabei nicht selbst zum Gejagten wird. Deswegen bitte ich Waldbesucher um Zurückhaltung“, sagte Bonde. Alle an die FVA gemeldeten Beobachtungen würden dort bewertet und mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Luchs abgestimmt.

 

Verbände begrüßen Neuankömmling

„Zugewanderte Luchse sind uns jederzeit willkommen. Deswegen übernimmt der Landesjagdverband gerne die Patenschaft für den Neuankömmling“, sagte Landesjägermeister Dr. Dieter Deuschle. Der Landesjagdverband bittet seine Mitglieder um die schnelle Meldung von Fährten, Rissen oder Sichtungen an die FVA. „Der Luchs ist ein Ureinwohner unseres Landes und gehört zum Schwarzwald wie Feldberg und Hornisgrinde. Wir freuen uns, dass zumindest einzelne Tiere wieder durch unsere Wälder streifen und auf ihren angestammten Platz in der Natur zurückkehren“, zeigte sich der Vorsitzende des Naturschutzbundes Baden-Württemberg, Dr. Andre Baumann, erfreut. Peter Willmann, Vorstand der Luchs-Initiative Baden-Württemberg, ergänzte: „Baden-Württemberg bietet für den Luchs ideale Voraussetzungen. Nun liegt es an uns, ihm seinen Platz in der Natur zuzugestehen und seine Rückkehr zu ermöglichen.“

 

Hintergrundinformationen:

Die Arbeitsgemeinschaft Luchs besteht bereits seit 2004 und behandelt alle Fragen rund um den Luchs in Baden-Württemberg. In dieser Arbeitsgruppe sind neben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt eine Vielzahl von Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Naturschutz, Jagd und Landwirtschaft vertreten.

 

Weitere Hinweise auf Luchse aus der Bevölkerung oder der Jägerschaft nimmt die FVA jederzeit unter der Nummer 0761/4018-274 entgegen.

 

Der Luchs (Lynx lynx) genießt als nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders streng geschützte Tierart und durch ganzjährige Schonung nach dem Jagdgesetz einen doppelten Schutz.

 

Luchse erreichen die Größe eines Schäferhundes, haben einen kurzen Schwanz und charakteristische Ohrpinsel. In ihrem Streifgebiet von bis zu 300 Quadratkilometer erbeuten sie hauptsächlich Rehe und Gämsen, gelegentlich auch Füchse und andere Säugetiere. Übergriffe auf Nutztiere werden durch private Verbände entschädigt. Dem Menschen gegenüber zeigt sich der Luchs äußerst selten. Kommt es zu einer Begegnung, so zieht sich der Luchs schnell zurück.

 

Weitere Informationen zum Luchs finden sich auf der Homepage der Arbeitsgruppe Luchs unter www.ag-luchs.de. Außerdem informieren die Stadt Baden-Baden, der Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord und der NABU auf dem Luchspfad Baden-Baden über den Luchs: www.luchspfad-baden-baden.de.

 

Hinweis für die Redaktionen:

Der genaue Fundort wird nicht bekannt gegeben, um einen Ansturm von Besuchern zu vermeiden, die das Tier vertreiben könnten.