Pressemitteilung 227/ 2010 - Ministerpräsident Stefan Mappus und Forstminister Rudolf Köberle: Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekte der Nachhaltigkeit werden im Staatswald Baden-Württembergs umfassend umgesetzt
Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement als ausgewogene Zielvorgabe vorgestellt.
Landesbetrieb ForstBW definiert konkrete Nachhaltigkeitsziele.
„Moderne Waldwirtschaft und umfassende Nachhaltigkeit werden im Staatswald Baden-Württemberg erfolgreich umgesetzt. Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekte der Nachhaltigkeit werden durch ForstBW bei der Bewirtschaftung vorbildlich berücksichtigt“, sagten der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus und der Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle, am Montag (13. September 2010) bei einer Exkursion mit dem Ministerrat in den Schönbuch nach Herrenberg (Landkreis Böblingen) und Tübingen. Im Rahmen dieser Kabinettsexkursion wurde dem Ministerrat an drei verschiedenen Waldbeständen das Konzept des strategischen Nachhaltigkeitsmanagements für den Staatswald in Baden-Württemberg vorgestellt.
Der zu Jahresbeginn gegründete Landesbetrieb ForstBW hat in einem umfassenden Prozess unter Beteiligung vieler Partner ein abgestimmtes Kenn-zahlensystem für Nachhaltigkeitsziele erarbeitet. „Damit erhalten wir verlässliche Kenngrößen und klare Zielvorgaben. ForstBW setzt sich damit ehrgeizige Ziele und wird seiner Vorbildfunktion gerecht“, betonte Forstminister Köberle. Mit dem Strategischen Nachhaltigkeitsmanagement werde die gleichrangige nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht im Staatswald konkretisiert.
„Mit der Gründung von ForstBW bekennen wir uns zu einer nachhaltigen, multi-funktionalen und naturnahen Waldwirtschaft. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes ist Kernaufgabe des Landesbetriebs. Dies bekräftigen wir mit dem Strategischen Nachhaltigkeitsmanagement. Damit dokumentieren wir auch unsere moderne und zukunftsweisende Waldbewirtschaftung“, ergänzte Köberle. Im Rahmen einer Exkursion wurde dies an drei Standorten zu jeder Dimension der Nachhaltigkeit ─ der ökologischen, ökonomischen und sozialen ─ durch Mitarbeiter von ForstBW verdeutlicht.
Dimension Soziales
„Jeden Tag suchen zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg den Wald zur Erholung auf. Auch für die Kommunen hat die Erholungs- und Sozialfunktion des Waldes eine zentrale Bedeutung. Dies ist ein wichtiger weicher Standortfaktor. Zudem steigert die Erholung im Wald das Wohlbefinden und die Gesundheit“, sagte der Leiter der Geschäftsführung von ForstBW, Max Reger, im Stadtwald Herrenberg. Veranschaulicht wurde dies anhand des modernen Waldseilgartens und dem traditionellen Waldspielplatz. Neben der Erholungsnutzung wurden für den Staatswald auch Ziele zur Arbeitssicherheit, Mitarbeiterzufriedenheit sowie für den Bereich der Umweltbildung definiert.
Dimension Ökonomie
„Die Forst- und Holzwirtschaft ist einer unserer wichtigsten Wirtschaftszweige. In 29.000 Betrieben erwirtschaften 200.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 31 Milliarden Euro. Dies belegt eindrücklich die Bedeutung des Clusters Forst und Holz in Baden-Württemberg. Hierzu leistet ForstBW als zentraler Marktpartner und Rohstofflieferant einen wichtigen Beitrag. Holz ist unser wichtigster nachwachsender Rohstoff“, führte Köberle an der zweiten Station aus. Hier wurden moderne Holzerntesysteme präsentiert und die Bedeutung der Holzeinnahmen verdeutlicht. Über 90 Prozent der Einnahmen von ForstBW stammten aus dem Holzverkauf, so Köberle. Dabei würden auch die Wechselwirkungen unterschiedlicher Zieldimensionen deutlich. Gerade die stoffliche und energetische Holznutzung sei ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Sie sei damit auch unverzichtbar, um dem Klimawandel, der auch die ökologische Leistungsfähigkeit des Waldes bedrohe, entgegenzuwirken.
Dimension Ökologie
„Totes Holz steckt voller Leben. Mit dem Alt- und Totholzkonzept haben wir ein zukunftsweisendes und innovatives Konzept für naturschutzrelevante Flächen im Staatswald entwickelt“, erläuterte Minister Köberle am dritten Exkursionspunkt. Gerade für die Erhaltung der biologischen Vielfalt seien geeignete Lebensräume wichtig. Dies würde im aktuellen Konzept berücksichtigt. Bis zum Jahr 2020 sei geplant, auf rund 24.500 Hektar Habitatflächen ohne Bewirtschaftung einzurichten. „Auf rund sieben Prozent der Staatswaldfläche kann sich die Natur ohne Störung entwickeln“, ergänzte der Minister. Weitere Ziele im Bereich der Ökologie beschäftigen sich mit der nachhaltigen Holznutzung, dem Umbau des Waldes vor dem Hintergrund des Klimawandels oder dem Bodenschutz.
Zusatzinformationen:
Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement
Das gesamte strategische Nachhaltigkeitsmanagement von ForstBW für den Staatswald in Baden-Württemberg ist als Anlage beigefügt.
Umsetzungskonzept
Die praktische Umsetzung des Strategischen Nachhaltigkeitsmanagements erfolgt mit den zwei nachfolgend dargestellten Instrumenten:
- Strategisches Nachhaltigkeitsmanagementsystem, umgesetzt durch das Instrument einer sogenannten „Sustainability Balanced Scorecard“ (SBSC) für den Staatswald des Landesbetriebs ForstBW. Die SBSC ist ein feststehender Fachbegriff und lässt sich als „Ausgewogenes Kennzahlensystem für Nachhaltigkeitsziele“ übersetzen.
- Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen eines jährlichen Geschäftsberichtes, Nachhaltigkeitsbericht alle drei bis fünf Jahre.
Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung
Die Nachhaltigkeit besitzt in der Forstwirtschaft eine lange Tradition. Erstmals wurde der Begriff „Nachhaltigkeit“ zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Holz-versorgung im Jahre 1713 von Hans Carl von Carlowitz in seiner „Sylvicultura Oeconomica“ definiert. In seiner ursprünglichen Bedeutung besagte der Begriff, dass nicht mehr Holz genutzt werden darf als nachwächst. Der Inhalt des Nachhaltigkeitsbegriffs wurde in der Folge laufend weiterentwickelt. Die heutige Form der Nachhaltigkeit wird, im Sinne des Leitbildes des Brundtland-Berichts (1987) sowie der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (1992), häufig als Form einer nachhaltigen Entwicklung verstanden, mit der die Bedürfnisse der jetzigen Generation befriedigt werden sollen, ohne die Bedürfnisbefriedigung der künftigen Generationen zu gefährden.
Speziell für die nachhaltige Waldbewirtschaftung wurde dies in der Resolution H 1 der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder Europas 1993 in Helsinki definiert: „Pflege und Nutzung von Wäldern auf eine Weise, die ihre biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität erhält und ihr Potential bewahrt, heute und in Zukunft die ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, ohne andere Ökosysteme zu beeinträchtigen.“
Umfassende Informationen zum Wald in Baden-Württemberg finden Sie hier auf den Seiten von ForstBW.
Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz unter:
www.mlr.baden-wuerttemberg.de.
- Dateien:
Anlage_PM_Waldkabinett.pdf


